Künstliche Intelligenz ist in kommunalen Verwaltungen ein Thema, das sich nicht mehr ignorieren lässt. Wo fängt man an? Was bringt KI wirklich, und was nicht? Welche Voraussetzungen braucht es, damit KI nicht nur eingeführt wird, sondern auch wirksam bleibt? Im Projekt “KI_Hub Kommunal” haben hessische Kommunale Jobcenter genau diese Fragen systematisch angegangen.
"KI_Hub Kommunal" ist ein vom Hessischen Ministerium für Digitalisierung und Innovation gefördertes Gemeinschaftsprojekt von 15 hessischen Kommunalen Jobcentern, koordiniert über die AG Digitalisierung als gemeinsames Steuerungsgremium der beteiligten Häuser. K4K begleitet das Projekt von Anfang an: in der Gesamtkoordination, der Projektsteuerung und der inhaltlichen Umsetzung.
Das Projekt will herausfinden, wo KI im kommunalen Arbeitsalltag konkret entlastet: für Mitarbeitende, die täglich unter hohem Druck arbeiten, und für Bürgerinnen und Bürger, die schnelleren und besseren Service erwarten. Der Ausgangspunkt war dabei kein technischer: nicht "Welche Tools gibt es?", sondern "Wo geht täglich Zeit verloren, die nicht verloren gehen müsste?"
Von Oktober 2025 bis April 2026 lief die Analyse in zwei Strängen: tief am Pilotstandort im Jobcenter “Neue Wege” Kreis Bergstraße, mit Interviews mit 31 Fachkräften, Prozessanalysen von 17 Kernprozessen und Bürgergesprächen, und breit über eine hessenweite Online-Umfrage, die 1.190 Mitarbeitende und Führungskräfte aus allen beteiligten Häusern erreichte. Was sich an einem Standort zeigt, gilt erst dann als strukturelles Ergebnis, wenn es sich interkommunal bestätigt. Das hat es.
Das auffälligste Ergebnis: Die Offenheit gegenüber KI ist deutlich größer als erwartet.
· 65 % der Befragten sehen bei KI mehr Chancen als Risiken
· 53 % schätzen das Effizienzpotenzial in ihrer Organisation als hoch oder sehr hoch ein
· 43 % beschreiben ihre Grundhaltung gegenüber KI als positiv
Die Bereitschaft ist da. Was fehlt, ist der sichere Boden, auf dem sie etwas werden kann. Was die Nutzung bremst, ist kein Widerstand, sondern konkrete Unsicherheit: Datenschutz und Rechtslage wurden mit Abstand am häufigsten als Hemmnis genannt. Fast drei Viertel der Beschäftigten haben noch keine KI-Schulung absolviert. Das ist kein Vorwurf, sondern eine klare Priorität.
Konkret kann KI vor allem da helfen, wo täglich viel Zeit für Aufgaben draufgeht, bei denen keine Fachentscheidung gefragt ist: Dokumente erkennen, sortieren und zuordnen, Informationen aus Gesetzestexten und Weisungen schnell auffindbar machen, Gesprächsnotizen strukturieren und zusammenfassen, Fristen und offene Schritte im Blick halten. Die Analyse hat sechs Handlungsfelder identifiziert, in denen KI-Einsatz realistisch und sinnvoll ist. Vier beschreiben direktes Entlastungspotenzial, zwei adressieren die organisatorischen Grundlagen, ohne die kein Tool dauerhaft funktioniert.
Daneben entstanden über 60 Quick Wins und Optimierungsansätze: Verbesserungen, die ohne großes IT-Projekt pilotierbar sind. Viele davon betreffen gar keine Technologie, sondern das Vereinfachen oder Weglassen von Abläufen, die längst überfällig waren.
Was am Ende am stärksten hängenbleibt: Das größte Hindernis für wirksamen KI-Einsatz ist selten die Technologie selbst. Es ist das, was darunter liegt. Datenqualität, klare Prozesse, verlässliche Governance. Wer jetzt daran arbeitet, schafft nicht nur die Voraussetzungen für KI, sondern macht die eigene Organisation insgesamt robuster.
Die Ergebnisse fließen direkt in die nächsten Projektphasen: ein KI-Reallabor, in dem konkrete Anwendungsfälle unter realen Bedingungen erprobt werden, und Schulungsformate, die auf den identifizierten Kompetenzbedarfen aufbauen. Das methodische Vorgehen selbst wurde als Blaupause dokumentiert, die andere Kommunen für eineeigene KI-Potenzialanalyse direkt nutzen können.
Alle Ergebnisse der KI-Potenzialanalyse, das vollständige Fact Sheet und die Blaupause zum Download gibt es auf der Projektwebsite.